Gottesdienste von Juli bis September 2022

 

„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“

(Psalm 42,3 Monatsspruch für den Juli 2022)

 

 

Liebe Leserinnen und Leser!

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur!“ - Das ist mir spontan zu diesem Bild eingefallen. Man könnte es auch „Die Macht des positiven Denkens“ nennen und - wie Joseph Murphy ein Buch darüber schreiben (das ist ganz offenbar nicht der von „Murphys Gesetz“).

Die Logik ist bestechend: wenn das Wetter danach ist, schaltet sich die Sonnenuhr einfach ab. Nur: Was bei der Sonnenuhr funktioniert, klappt in unserem Leben eben nicht. Wir können uns nicht wegducken, wenn die Zeiten nicht „heiter“ sind - und das sind sie auf die eine oder andere Weise ja schon eine ganze Weile nicht mehr uneingeschränkt. Aber was machen wir mit den anderen Zeiten?

Klar: jetzt ist erst mal Sommer, alles wird grün und blüht und sprießt, das tut unserer Seele gut. Der Sommer, so die Hoffnung, hält die Pandemie einigermaßen in Schach, Biergarten und Eisdiele locken, und die Sonnenuhr (auch unsere innere) darf viele Sonnenstunden zählen. Aber das Leben geht weiter, und dazu gehören nicht nur Fröhlichkeit und Lachen. Die Bilder aus den zerbombten Städten in der Ukraine werden uns nicht so schnell wieder loslassen. Krankheit und Tod verschwinden nicht einfach,wenn die Sonne vom Himmel strahlt. Der Monatsspruch für den Juli weilt nicht nur auf den körperlichen Durst, den der Sommer unweigerlich mit sich bringt, sondern auf die „dürstende Seele“. Von ihr ist in den Psalmen immer wieder die Rede, - hier in Psalm 42 etwa: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ - oder in Psalm 143:

„Meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.“

Da ist ein Mensch in großer Bedrängnis, das spürt man. Da ist einer, der nicht weiter weiß, der keinen Ausweg sieht, und der sich in seiner Not an gott klammert: „Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?“ Im Gebet kommt er zur Ruhe, findet er Trost: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.“Machen wir es also wie die Sonnenuhr, freuen wir uns an den heiteren,den schönen Stunden - und nehmen wir sie dankbar aus Gottes Hand. Aber die schweren Stunden, die müssen wir nicht wegdrücken, auch sie gehören zu uns, zu unserem Leben, auch sie wollen gelebt werden, und sie können uns ebenso zum Segen werden wie die glücklichen. In einem Gesang aus Taizé heißt es: „In dunkler Nacht woll‘n wir ziehen, lebendiges Wasser

finden, nichts als der Durst wird uns leuchten, nichts als der Durst wird uns leuchten.“

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Stefan Förster, Pfr.