Gottesdienste von April bis Juni 2022

Johannes 20,18: Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. (Monatsspruch April 2022)

Liebe Gemeinde und Freunde!

Das Passionslied „Das Kreuz ist aufgerichtet“ des Dichters Kurt Ihlenfeld (1901-1972) gehört für mich seit vielen Jahren untrennbar mit dem Karfreitag zusammen. Auf dem Titelbild ist es zu sehen: das aufgerichtete Kreuz. Aufgerichtet auf dem Berg Golgatha überragt es weithin sichtbar die Landschaft. Ihlenfeld dichtet und deutet: „Das Kreuz ist aufgerichtet, der große Streit geschlichtet.
Dass er das Heil der Welt in diesem Zeichen gründe, gibt sich für ihre Sünde der Schöpfer selber zum Entgelt.“

Und dann, überraschend: „Er wollte, dass die Erde zum Stern des Kreuzes werde, und der am Kreuz verblich, der sollte wiederbringen, die sonst verlorengingen, dafür gab er zum Opfer sich.“

Mal abgesehen davon, dass „Stern“ nicht ganz korrekt ist (Wikipedia: „Unter einem Stern versteht man in der Astronomie einen massereichen, selbstleuchtenden Himmelskörper …“) finde ich das Bild sehr schön und berührend: Die Erde, der „Stern“ des Kreuzes.

Ob es in unserem Sonnensystem oder gar jenseits davon bewohnbare Planeten gibt, oder gar außerirdisches Leben, - dieser Frage geht man in der Astronomie schon seit langem nach, schon seit vielen Jahren fliegt ein Satellit durchs All, der die nötigen Daten zur Kontaktaufnahme mit uns mitliefert. Eine spannende Frage, zweifellos, - aber mit Ihlenfeld würde ich sagen: Die Erde ist der Ort einer ganz einzigartigen Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen, insbesondere zu seinen Menschenkindern. Die Erde: der Stern des Kreuzes. Die Erde – die Menschheit: Objekt der großen Streitschlichtung Gottes.

Aber nicht nur das Kreuz ist auf dem Bild zu sehen, sondern auch ein hell leuchtender Fleck links unten: Das leere Grab. Symbol der Auferstehung. Der Auferstehung Jesu: Maria kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: ich habe den Herrn gesehen. Wie die auf diese ungeheuerliche Botschaft reagieren, erzählt Johannes nicht. Insgesamt kann man sagen: An keiner Stelle wird erzählt, dass die Verkündigung der Auferstehung unmittelbar zum Glauben führt. Zu unglaublich ist das wohl, dass der Tod nicht das letzte Wort haben soll. In der Regel führt diese Botschaft dazu, dass die Angeredeten loslaufen, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. Und erst dann kommt es zum Glauben. Was Karfreitag und Ostern für uns bedeuten, fasst Ihlenfeld so zusammen: „Wir sind nicht mehr die Knechte der alten Todesmächte und ihrer Tyrannei. Der Sohn, der es erduldet, hat uns am Kreuz entschuldet. Auch wir sind Söhne (und Töchter) und sind frei.“

Eine gesegnete Zeit wünscht

Stefan Förster, Pfr.