Gottesdienste von Oktober bis November 2022

 

"Der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, … wo dir nichts mangelt, …. Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den Herrn, deinen Gott, loben für das gute Land,das er dir gegeben hat."

(5. Mose 8, 7+9+10)

 

Was strahlt dieses Bild aus? Für mich ist es Hülle und Fülle, der Überfluss.Pralle, gereifte Beeren an einer Weintraube.Bilder wecken Erinnerungen. So ging es mir auch bei diesem Bild: Ich erinnerte mich an ein Kinderbibel-Bild aus der Zeit meiner Kindheit, das mir imponiert hat: Eine riesige Weintraube hängt an einem stabilen Stock.Zwei Männer haben die Stange an den Enden geschultert und tragen sie. Dass es ein gutes Land ist, in das man bald einziehen darf, stellen sie durch ihr Mitbringsel unter Beweis. Gott hat nicht zu viel versprochen.

Dieses Bild von den Kundschaftern hat sich mir tief eingeprägt. Die Geschichte ist nachzulesen im biblischen Buch Josua.Dem Erntedankfest ist eine Lesung aus dem 5. Mose-Buch, Kapitel 8, zugeordnet. Das anfängliche Zitat ist dieser Lesung entnommen. Darin wird das Volk Israel ermahnt, sich zu erinnern. Sind sie doch satt geworden von den Früchten der Erde. Sie haben erfahren: Es ist genug da! – Die Erfahrung soll zur bleibenden Erinnerung werden; sie soll wach gehalten werden. Die Erinnerung an den, der „dahinter steckt“: An den Schöpfer aller Dinge – Gott selbst! Ihm soll das Lob dargebracht werden.Hier eine persönliche Bemerkung am Rande:

diesem Zusammenhang erschließt es sich mir nicht, dass unser neues Kirchengesangsbuch ELKG² einerseits Lieder unter der Überschhrift „Loben“ zusammengefasst hat, dem unter einer weiteren Überschrift „Danken“ weitere Lieder folgen. „Lob und Dank“ gehören zusammen, bleiben aufeinander bezogen. Ist es doch derselbe Adressat, dem beides gebührt: Sowohl der Dank als auch das Lob haben denselben Adressaten – Gott selbst. „Ehr sei dem Vater oben im aller-höchsten Thron, / Ehr sei mit Dank und Loben seim allerliebsten Sohn, / Ehr sei zu aller Zeit dem Heilgen Geist gesungen …“(ELKG², Nr. 579, Strophe 5).

Und unser Danken und Loben ist auch dann angesagt, wenn die Ernte, der Ertrag, der Gewinn (oder wie auch immer wir es nennen mögen) spärlicher ausfällt. Wenn auch in diesen Tagen und Wochen Kosten in die Höhe schnellen, wenn Lebensmittelpreise steigen und Energie sich rapide verteuert,soll dennoch nicht der Blick dafür verloren gehen, dass Gott gegeben hat und auch weiterhin geben wird. Hier kommt mir bei der Betrachtung der üppigen Beeren noch eine Kindheits-Erinnerung in den Sinn:

Eine Erinnerung, wie ich Weintrauben kennen-lernte: Viel kleiner waren sie, die Beeren an den Trauben an der Südwand des Kuhstalls auf unserem Bauernhof. Dort rankte ein Wenig Wein. Klein blieben die Beeren, aber Doch wurden sie reif – und mit jedem Tag Etwas süßer, von Sonne und Wasser. Ein Wahres Eldorado – besonders, wenn einem nach Naschen zumute war.Erinnern wir uns an Gott – nicht nur nebenbei. Vergessen wir nicht, zu danken und zu Loben. Hier und da machen wir die Erfahrung Überbordender Fülle. Aber auch die kleinen und unscheinbaren Gaben sollen uns an den Schöpfer und Geber erinnern.Danken und Loben kann zur Lebenshaltung werden. Mögen uns allen die Augen geöffnet werden, das zu sehen, was zu dankbarer Erinnerung Anlass gibt!

Mit herzlichem Gruß,

Pfr. Eberhard Ramme